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Tragfähigkeitsindex – das halten Ihre Reifen aus

Lesedauer: 12 min • Veröffentlicht am 18.06.2021

Tragfähigkeitsindex, Lastindex, Loadindex oder Traglastzahl – die Begriffe meinen alle das Gleiche. Die Kennung gibt an, wie groß die Last pro Reifen maximal sein darf. Erfahren Sie bei uns, welche Kilogramm-Angaben hinter den Kennzahlen stehen und worauf Sie sonst noch achten müssen.

Welcher Tragfähigkeitsindex für mein Fahrzeug?

Die Traglastzahl gibt an, mit wie viel Kilogramm Sie den einzelnen Reifen belasten können. Diese Zahl ist abhängig vom Eigengewicht und Einsatzzweck des PWK – er wird individuell vom Hersteller festgelegt. Welcher Tragfähigkeitsindex für Ihr Fahrzeug der richtige ist, steht im Fahrzeugschein als Zahlenkennung hinter der Größe (z.B. 175/65 R14 82T).
Wenn Sie einen neuen Satz Reifen benötigen, können Sie den Tragfähigkeitsindex auch an der
Reifenflanke des aktuell montierten Pneus ablesen, aber Sie sollten den Wert immer noch einmal mit dem im Fahrzeugschein abgleichen.

Fahrzeugschein mit Tragfähigkeitsindex und Höchstlast des Fahrzeuges

Die Reifengröße finden Sie im Fahrzeugschein unter 15.1 bzw 15.2 (Vorder- und Hinterachse). In diesem Fall ist der Lastindex „82“ – das steht für 475 kg pro Reifen. Sie sehen an diesem Beispiel, dass bei der Traglast immer ein Puffer eingebaut ist. Die Reifen tragen bei optimalem Zustand und Luftdruck insgesamt 1.900 kg. Das Fahrzeug an sich wiegt nur 1.019 kg (Kennziffer G) und inklusive Zuladung darf es maximal 1.370 kg haben (Kennziffer F.1). Das heißt es liegt in diesem Beispiel ein Puffer von einer halben Tonne vor. Sie sollten sich aber bewusst sein, dass die tatsächliche Tragfähigkeit stark abnimmt, sobald der Luftdruck nicht mehr passend ist.

Übrigens: Der vorgegebene Tragfähigkeitsindex berechnet sich in der Regel aus der Hälfte der zulässigen Achslast.

Was der Reifendruck mit dem Tragfähigkeitsindex zu tun hat

Der Lastindex ist eine relative Größe. Das heißt er ist abhängig von der Fahrgeschwindigkeit und vor allem auch vom Reifendruck. Die Luft im Inneren des Reifens ist hauptverantwortlich für die Stabilität des Reifens und damit auch für die Tragfähigkeit. Die kg-Angaben beziehen sich immer auf einen Luftdruck von 2,5 bar.
Ist Ihr Reifendruck zu niedrig, wirkt sich das nicht nur auf die Tragfähigkeit, sondern auch auf das Fahrverhalten negativ aus. Das sind die Folgen:

  • Das Profil nutzt sich schneller und oft auch ungleichmäßig ab
  • Der Kraftstoffverbrauch steigt
  • Die Reifen können nach rechts oder links ziehen, obwohl Sie das Lenkrad gerade halten
  • Der Grip auf der Straße wird schlechter, das heißt die Kurvenfahrten werden gefährlicher und der Bremsweg verlängert sich
  • Der Reifen wird stärker gewalkt, damit steigt das Risiko einer Verletzung der Flanke – im schlimmsten Fall kommt es zu einem Reifenplatzer

Deswegen empfehlen wir Ihnen, den Reifenluftdruck alle 14 Tage und vor größeren Fahrten zu prüfen. Halten Sie auch noch einmal bei der Prüfsäule an, bevor Sie Ihr Fahrzeug schwerer als sonst beladen z.B. für den Urlaub und denken Sie auch an Ihr Reserverad.

Was bedeutet 91 oder 94 bei Reifen?

Der Tragfähigkeitsindex wird als Kennzahl angegeben. Diese entspricht aber nicht der tatsächlichen Traglast. „91“ bedeutet z.B. eine Tragfähigkeit von 615 kg pro Reifen – „94“ steht für 670 kg Tragfähigkeit pro Reifen. Hier haben wir eine Übersicht über die gängigsten Tragfähigkeiten für Sie aufgestellt:

TragfähigkeitsindexLast in kg
70335
71345
72355
73365
74375
75387
76400
77412
78425
79437
TragfähigkeitsindexLast in kg
80450
81462
82475
83487
84500
85515
86530
87545
88560
89580
TragfähigkeitsindexLast in kg
90600
91615
92630
93650
94670
95690
96710
97730
98750
99775
TragfähigkeitsindexLast in kg
100800
101825
102850
103875
104900
105925
106950
107975
1081000
1091030

Bitte beachten Sie, dass sich diese Tragfähigkeiten immer auf einen Reifenluftdruck von 2,5 bar beziehen.

Was bedeutet 8PR bei Reifen?

PR bedeutet ausgeschrieben Ply Rating, also auf deutsch „Lagenzahl“. Je mehr Lagen in der Reifenkarkasse, desto höher ist die Tragfähigkeit des Reifens. Ein Reifen mit 8PR hat 8 Textil-Lagen verbaut. Es handelt sich hier um eine relative Kenngröße – die tatsächliche Tragfähigkeit ist immer auch abhängig von weiteren Faktoren wie der Reifenbreite. Deswegen wurde das Ply Rating größtenteils vom Tragfähigkeitsindex abgelöst – höchstens auf sehr alten Pneus oder vereinzelt bei Industrie- und Forstreifen können Sie eine Bezeichnung wie 8PR noch finden.

Kann ich Reifen mit einem niedrigeren Tragfähigkeitsindex fahren?

Nein, Sie dürfen auf Ihrem Fahrzeug keine Reifen mit einem niedrigeren Tragfähigkeitsindex fahren, als in den Fahrzeugpapieren hinterlegt.

Bei einer Polizeikontrolle droht Ihnen ein Bußgeld und auch Ihre Sicherheit ist gefährdet, da falsch gewählte Bereifung im schlimmsten Fall zu einem Reifenplatzer führen kann. Bei einem Unfall kann es außerdem sein, dass Ihr Versicherungsschutz erlischt, da Ihr Fahrzeug nicht sachgemäß ausgerüstet war. Wählen Sie also immer einen Tragfähigkeitsindex, der mindestens dem Wert in Ihrem Fahrzeugschein entspricht.
Nur PKW, die vor 2004 gefertigt wurden, können eine Ausnahme sein. Vor dieser Zeit haben Hersteller teilweise höhere Tragfähigkeitsindizes angegeben, als eigentlich nötig. Besprechen Sie das aber in jedem Fall mit Ihrer zuständigen TÜV-Stelle und lassen Sie die tatsächlich benötigte Tragfähigkeit bestimmen und eintragen.


Ein höherer Tragfähigkeitsindex hingegen geht immer. Sie dürfen das Fahrzeug aber trotzdem nicht schwerer beladen – die eingetragene Höchstlast (Fahrzeugschein unter F.1) bleibt verbindlich. Beachten Sie bei der Überlegung, dass Profile, die mehr Gewicht aushalten, oft auch selbst schwerer sind – das steigert den Kraftstoffverbrauch und die Abnutzung Ihrer Reifen.

Besonders tragfähige Reifen

Für besondere Einsatzzwecke gibt es zusätzliche Reifenklassen mit hoher Traglast, die speziell gekennzeichnet sind. Zum Beispiel Reinforced- oder C-Reifen. Diese Bereifungsarten mit verstärktem Karkassenunterbau sind oft im Fahrzeugschein von Vans, Transportern, SUV oder Anhängern eingetragen. Wenn Sie bei sich imm Fahrzeugschein keine Zusatzinfo bei der Reifengröße finden, reichen für Ihren PKW die normale Pneus mit dem passenden Loadindex.

Zwei Traglasten? Sonderfall Doppelbereifung

Vielleicht haben Sie bei LKW, landwirtschaftlichen Maschinen, Transportern oder Anhängern schon einmal gesehen, dass vier Reifen je Achse montiert sind – zwei auf jeder Seite. Das nennt man Doppelbereifung oder Zwillingsbereifung. Ziel der Doppelbereifung ist es, die Achslast besser auf die Fahrbahn zu verteilen. Damit wird die Tragfähigkeit der Achse gesteigert. Reifen, die für einen Zwillingsbetrieb geeignet sind, haben deswegen zwei Traglasten auf der Reifenflanke.

Reifenflanke mit Größe und doppeltem Tragfähigkeitsindex

Eine gängige Reifengröße ist: 215/60 R16 C 108/106T. Die zwei Loadindizes sind durch einen Schrägstrich getrennt. Dieser Reifen kann sowohl als Einzel- wie auch als Doppelbereifung gefahren werden. Im Single-Betrieb gilt der vordere Tragfähigkeitsindex (108 = 1000 kg pro Reifen), im Zwilling der hintere (106 = 950 kg pro Reifen). Für die Doppelbereifung ergibt das insgesamt eine deutlich höhere Tragfähigkeit, obwohl der Index pro Reifen erst einmal niedriger ist. Das liegt daran, dass acht statt vier Reifen montiert sind.

Unterschiedlicher Lastindex bei Sommer- und Winterreifen

Bei vielen Fahrzeugen ist die vorgegebene Reifengröße für Sommer und Winter gleich und damit auch der Loadindex. Vor allem bei Fahrzeugen, die auf Performance ausgelegt sind, kann es aber sein, dass für die warme Jahreszeit eine größere Reifendimension eingetragen ist, was meist auch Auswirkungen auf den Tragfähigkeitsindex hat. Das macht auch Sinn, denn die unterschiedlichen Witterungsbedingungen bringen verschiedene Anforderungen an die Reifen mit. Achten Sie deshalb beim Neukauf genau auf die benötigte Tragfähigkeit in Kombination mit der Reifengröße und bedenken Sie die Unterschiede auch bei der Fahrt. Wenn Sie Ihr Fahrzeug voll beladen haben, wird der Bremsweg durch die höhere Masse länger. Das hat im Winter bei glatter Fahrbahn noch einmal ganz andere Auswirkungen als im Sommer.

Fahren Sie immer angepasst je nach Wetter und bedenken Sie diesen Sachverhalt bei der Beladung Ihres Wagens.

Unsere 5 Tipps für das Fahren mit großen Lasten

Die meisten Fahrer beladen Ihre Fahrzeuge nicht regelmäßig mit schweren Lasten. Umso wichtiger ist es, sich auf die Veränderungen einzustellen, die sich durch ein höheres Gewicht ergeben. Hier haben wir 5 hilfreiche Tipps für Sie:

  1. Prüfen Sie den Luftdruck und passen Sie gegebenenfalls an. Nur so hat der Reifen die maximale Tragfähigkeit. Denken Sie auch an das Reserverad falls vorhanden.
  2. Wenn Sie Ihren Kofferraum packen, achten Sie auf eine gleichmäßige Verteilung des Gewichts. Besonders schwere Gegenstände kommen ganz nach unten und möglichst nah an den Fahrersitz. So verhindern Sie, dass eine Seite Ihres PKW deutlich schwerer ist und so ein Zug in eine Richtung entsteht, obwohl Sie Ihr Lenkrad gerade halten.
  3. Achten Sie bei der Beladung auf das zulässige Gesamtgewicht Ihres Fahrzeuges. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie es überschritten haben, fahren Sie auf eine Autowaage. Öffentliche Waagen gibt es in der Regel in jeder Gemeinde.
  4. Das Fahrverhalten Ihres Fahrzeuges wird sich verändern. Lassen Sie die Hände fest am Steuer – so können Sie besser auf ungewohnte Schlenker oder ähnliches reagieren.
  5. Beobachten Sie die Verkehrslage Bremsen Sie immer frühzeitig – je schwerer der PKW, desto länger der Bremsweg. Behalten Sie dabei auch die Wetterverhältnisse im Blick.
Rotes Fahrzeug mit Gepäck im geöffneten Kofferraum

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Quellen

ADAC (2019): Die Kennzeichnung des PKW-Reifens. URL: https://www.adac.de/-/media/pdf/rund-ums-fahrzeug/reifenkennzeichnung_1480kb.pdf – zuletzt geprüft 06.05.2021.

Uniroyal (o.J.): Tragfähigkeitsindex: Traglast Ihrer Reifen berechnen. URL: https://www.uniroyal.de/autoreifen/reifenratgeber/reifenwissen/tragfaehigkeitsindex – zuletzt geprüft 04.05.2021.

VFR Verlag für Rechtsjournalismus (o.J.): Bußgeldkatalog: Geschwindigkeitsindex und Tragfähigkeitsindex. URL: https://www.bussgeld-info.de/geschwindigkeitsindex-tragfaehigkeitsindex/ – zuletzt geprüft 04.05.2021.

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