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Reifenwechsel – neues Gummi auf die Felge

Lesedauer: 12 min • Veröffentlicht am 09.03.2021

Wenn das Profil am Reifen sich langsam dem Ende zuneigt, wird es Zeit für einen Rad- und Reifenwechsel. Aber gibt es hier eigentlich einen Unterschied? Und können Sie einen Reifenwechsel selbst vornehmen? Wie funktioniert ein Reifenwechsel in der Werkstatt und wann ist der richtige Zeitpunkt? Hier stellen wir alle wichtigen Informationen für Sie bereit und geben Tipps, damit der Reifenwechsel reibungslos über die Bühne geht.

Rad- oder Reifenwechsel?

Auch wenn die beiden Begriffe gerne sinngleich verwendet werden, gibt es einen Unterschied. Wenn Sie auf der Suche nach einer Anleitung für die Montage von Kompletträdern (Reifen + Felge) auf das Fahrzeug sind, dann sollten Sie sich beim Radwechsel umsehen. Der Reifenwechsel dagegen beschreibt das Ab- und Aufziehen des Reifens auf die Felge. Das, was wir umgangssprachlich als Reifenwechsel bezeichnen ist also eigentlich der Radwechsel. Der Reifenwechsel geschieht deutlich seltener, nämlich immer dann, wenn das Profil Ihres alten Reifens abgefahren ist. Selten kann es auch vorkommen, dass ein einzelner Reifen wegen einer Panne ausgetauscht werden muss. Wenn Sie die Reifen wechseln wollen, sollten Sie auf jeden Fall eine Werkstatt aufsuchen, da spezielle Maschinen und Werkzeuge sowie Fachwissen benötigt wird.

Das passiert beim Reifen wechseln in der Werkstatt

Sie sollten immer einen Termin mit Ihrer Werkstatt vereinbaren. Gerade im Saison-Wechsel, kann es auch zu Verzögerungen kommen. Der Reifenwechsel läuft in der Regel in zwei Schritten ab:

Reifen abziehen

Bevor Ihre neuen Reifen aufgezogen werden können, müssen die abgefahrenen Profile erst einmal von der Felge demontiert werden. Der Werkstatt-Mitarbeiter fährt Ihr Fahrzeug auf die Hebebühne und das Komplettrad abzumontieren. Dann wird die Luft aus dem Reifen gelassen. Meist wird dafür der Ventileinsatz aus dem Reifen geschraubt.
Dann geht es zur
Montiermaschine. Diese hat eine sogenannte Abdrückschaufel. Damit presst der Kfz-Experte die Reifenwand direkt an der Felge nach innen. Das passiert auf beiden Seiten. Danach wird die Felge eingespannt und der Montierarm unter die Reifenwulst geschoben. Mit dem Drehen der Maschine kann der Reifen von der Felge gezogen werden. Um den Vorgang zu vereinfachen, wird der Reifen eingefettet. Das Abnehmen noch vorhandener Wuchtgewichte gehört ebenfalls zum Prozess. Der Reifen wird beim Abziehen beansprucht, es ist also nicht ratsam, noch intakte Bereifung von der Felge zu montieren und später wieder aufzuziehen. Für Ihre saisonale Bereifung sollten Sie deswegen auch zwei Sätze Felgen haben.

Reifen aufziehen

Bevor die neuen Reifen montiert werden, überprüft der Kfz-Experte die passende Reifengröße und den Zustand des Reifens (Profiltiefe und Gummi). Wenn alles in Ordnung ist, streicht der Werkstattmitarbeiter die Reifenwülste innen und außen mit einer Montagepaste ein – das erleichtert das Reifen aufziehen im nächsten Schritt. Jetzt wird die Felge auf der Montiermaschine eingespannt und die Reifenwulst mit Hilfe des Montierarms langsam über das Felgenhorn geschoben. Das passiert einmal für die Innenseite und die Außenseite des Reifens. Jetzt sitzt der Reifen lose auf der Felge und kann mit Luft gefüllt werden. In der Regel füllt der Kfz-Experte erst etwas mehr Luft ein, als benötigt, damit sich der Reifen optimal auf der Felge zurecht zieht. Der überschüssige Druck wird dann wieder abgelassenen und das Ventil geschlossen. Am Ende wird das Komplettrad ausgewuchtet. Kein Komplettrad läuft von Anfang an hundertprozentig rund. Das liegt an kleinen Gewichtsverschiebungen, die zum Beispiel durch die Aussparung für das Ventil in der Felge entstehen. Deswegen werden kleine Gewichte in die Felge eingeklebt, die die Unwucht ausgleichen. Jetzt sind Ihre Kompletträder montagebereit.

Auf Montiermaschine eingespannter Reifen beim Reifenwechsel

Durch den Montagearm wird der Reifen mit Gefühl über das Felgenhorn gezogen und dann mit Luft befüllt.

Wenn die Reifenmontage schwieriger wird

Ab 18 Zoll Reifengröße benötigen die Werkstätten eine andere Maschinerie aber die Montage an sich läuft gleich ab. Schwieriger wird es bei Runflat oder Sportreifen (Semi Slick oder Slick). Die Reifenflanke ist verstärkt und damit steifer – der Kfz-Experte benötigt bei der Montage viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl.
Wenn Sie in Ihrem Fahrzeug ein direktes
Reifendruckkontrollsystem verbaut haben, betrifft das auch den Reifenwechsel. Der Sensor sitzt im Ventil. Besprechen Sie vorab mit der Werkstatt, ob die alten Sensoren wieder eingebaut werden können, oder ob ein neuer Satz benötigt wird.

In manchen Fällen lässt sich der Reifen nicht richtig mit Luft füllen. Dann kann ein sogenannter Luftbooster (oder auch Schockfüller) helfen. Hier wird ein sehr hoher Druck aufgebaut, der dann schlagartig in das Reifeninnere abgelassen wird. So füllt sich der Reifen plötzlich mit Luft und sitzt dann passgenau auf der Felge.

Wann neue Reifen kaufen?

Das wichtigste Kriterium ist die Profiltiefe. Je stärker die Rillen und Lamellen Ihrer Lauffläche ausgeprägt sind, desto besser ist die Bodenhaftung bei verschiedenen Witterungsverhältnissen. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 mm – wir empfehlen Ihnen aber immer mindestens 3 mm für den Sommer und 4 mm für den Winter als Investition in Ihre Sicherheit.
Als weiteres Kriterium zählt die
Beschaffenheit des Gummis. Bei unsachgemäßer Lagerung kann es zu feinen Rissen oder porösen Stellen kommen. Untersuchen Sie nach der Einlagerung auch die Felge. Rost am Felgenhorn oder am Ventil kann dazu führen, dass der Reifen schneller Luft verliert. Wenn Sie eine geringe Profiltiefe oder einen Mangel feststellen, sollten Sie zeitnah in neue Bereifung investieren.

Reifenwechsel Kosten

Die Kosten des Reifenwechsels lassen sich nicht pauschal bestimmen. Sie sind unter anderem abhängig von der Reifengröße und der -art. So sind Zollgrößen ab 18 Zoll meist etwas teurer, genauso wie die Montage von Runflat-Reifen. Der Preis bewegt sich in der Regel zwischen 10 und 40 € pro Reifen und beinhaltet normalerweise auch das Abziehen der Altreifen sowie das Auswuchten. Für die fachgerechte Altreifen-Entsorgung zahlen Sie in der Regel nochmal ca. 2-3 €. Klären Sie am besten vorab genau, was alles in der Reifenwechsel-Pauschale enthalten ist. Wenn Sie direkt am Telefon Ihre Reifengröße und eventuelle Zusatzkennungen (Runflat, RDKS-Sensorik) nennen, dann können die Kfz-Experten direkt einschätzen, welche Kosten auf Sie zukommen.

Unser Tipp: Wenn Sie einen anderen Service wie beispielsweise die Achsvermessung direkt dazu buchen, kann es sein, dass Sie einen günstigeren Preis erhalten.

Reifenstapel aus Altreifen

Eine korrekte Altreifenentsorgung ist wichtig! Ihre Fachwerkstatt sammelt die Bereifung und übergibt sie dann dem fachgerechten Recyclingprozess.

Geräusche nach dem Reifenwechsel

Ein verändertes Fahrgeräusch kann ganz normal sein, nachdem Sie neue Reifen aufziehen lassen haben. Je nach Profilaufbau unterscheidet sich die Abrolllautstärke. Winterreifen sind wegen des weicheren Gummis und dem oft V-förmigen Aufbau in der Tendenz etwas lauter. Auch das Fahrgefühl kann sich unterscheiden. Wenn Sie ungewöhnliche Lenkradvibrationen, ein Klappern, Klopfen oder Schleifgeräusche wahrnehmen, sollten Sie dringend eine Werkstatt aufsuchen. Diese Auffälligkeiten können auf Rost an der Radnarbe oder lockere Schrauben hinweisen. Manchmal hat sich auch ein Wuchtgewicht gelöst und das Rad hat eine Unwucht.

Zu Ihrer Sicherheit sollten die Radmuttern nach jedem Wechsel nach ca. 50 km erneut mit dem richtigen Drehmoment angezogen werden.

Reifen richtig lagern

Wenn Sie Reifen ohne Felgen bestellt haben und noch auf den Termin warten, bewahren Sie diese am besten in einem dunklen, kühlen Raum mit möglichst gleichbleibender Luftfeuchtigkeit auf. Pneus ohne Felgen sollten stehend gelagert werden – am besten in einem Regal mit etwas Abstand zum Boden. Drehen Sie die Reifen regelmäßig, damit sie keine Druckstellen bekommen. Wenn Sie direkt Kompletträder bestellt haben, dann sparen Sie sich den Reifenwechsel. Die Räder werden am besten horizontal auf einem Reifenbaum aufbewahrt oder vertikal an der Wand hängend an Haken.

Übrigens: Bei uns können Sie die Reifen direkt zu Ihrer Werkstatt bestellen.

So müssen Sie das Paket nicht selbst annehmen und sparen sich das Herumfahren der Reifen. Wir empfehlen Ihnen aber, vorab bei der Werkstatt Bescheid zu geben, dass Ihre Reifen eintreffen werden und direkt einen Termin auszumachen.

Reifenwechsel nach Panne

Wenn Sie sich beispielsweise einen Nagel eingefahren haben, ist nur ein Reifen beschädigt. Wir empfehlen Ihnen aber trotzdem immer, zumindest beide Reifen auf einer Achse auszutauschen. Wenn ein abgefahrenes Profil zusammen mit einer neuen Lauffläche auf einer Achse zusammen kommt, dann fährt sich der neue Reifen deutlich schneller ab und das Ungleichgewicht kann sich auch negativ auf die Fahreigenschaften auswirken. Außerdem sollten Sie auf Vorder- und Hinterachse immer das gleiche Profil montieren lassen.

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Quellen

ADAC (2019): Reifen oder Räder richtig wechseln: Infos, Anleitung, Tipps. URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/reifen-wechseln/ – zuletzt geprüft 13.10.2020.

AutoBild (2018): Runter mit den alten Gummis. URL: https://www.autobild.de/artikel/reifen-aufziehen-14170697.html – zuletzt geprüft 13.10.2020.

Barum (o.J.): Reifen montieren: Was ist zu beachten? URL: https://www.barum-reifen.de/autoreifen/expertenrat/do-it-yourself/aufziehen-von-reifen – zuletzt geprüft 14.10.2020.

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