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Reifendruck – richtig prüfen und nachfüllen

Lesedauer: 15 min • Veröffentlicht am 18.01.2021

Die Reifen werden oft eher vernachlässigt, obwohl sie ein entscheidendes Sicherheitskriterium darstellen – sie sind unsere einzige Verbindung zur Straße. Unsere Fahrzeuge werden also theoretisch durch Luft getragen, die sich im Reifen befindet. Damit das gut funktioniert, muss der Reifendruck passen, sonst verformt sich die Bereifung und kann nicht mehr optimal performen. Finden Sie hier alles Wichtige zum Thema Reifendruck heraus und bestellen Sie direkt Ihr passendes Reifen-Set.

Warum der richtige Reifendruck so wichtig ist

Ein korrekter Luftdruck ist vor allem wichtig für Ihre Sicherheit. Er beeinflusst aber auch Ihren Kraftstoffverbrauch und den Abrieb am Reifen. Dabei ist sowohl ein zu niedriger, als auch ein zu hoher Reifendruck schädlich. Die Bereifung deformiert sich und das macht sich bei den Fahreigenschaften deutlich bemerkbar. Hier haben wir die wichtigsten Infos für Sie zusammengefasst:

Reifendruck zu niedrig

Bei zu geringem Reifendruck fallen die Flanken ein und die Mitte der Lauffläche wölbt sich nach oben.

Sie fahren also nur noch auf den Schultern des Profils und Ihre Flanke wird stark gewalkt.

Ein niedriger Reifendruck kommt meistens dadurch zustande, dass der Reifen länger nicht kontrolliert wurde. Durch Diffusion gelangen geringe Mengen an Luft durch das Gummi und können so aus dem Reifen austreten. Außerdem können Beschädigungen an Reifen, Felgen oder Ventilen für einen zusätzlichen Luftverlust sorgen.
Darum ist ein zu niedriger Reifendruck nicht gut:

  • Ihr Fahrzeug fährt weniger stabil und die Reifen können Lenkbewegungen nicht mehr so gut auf die Straße übertragen.
  • Das Beschleunigungs- und Bremsvermögen ist eingeschränkt, weil weniger Gummi Kontakt zum Boden hat.
  • Durch die veränderte Auflagefläche wird mehr Reibung erzeugt – der Kraftstoffverbrauch und Verschleiß steigen je nach Intensität deutlich.
  • Durch das Walken der Reifenflanke können Verletzungen entstehen, durch die der Reifen je nach Größe schleichend oder plötzlich Luft verliert.
  • Die Bereifung wird durch die größere Reibung wärmer und kann im schlimmsten Fall platzen.

Reifendruck zu hoch

Der Grundsatz „viel hilft viel“ gilt beim Reifendruck nicht. Zu viel Luft kann genauso gefährlich werden wie zu wenig.

Der Reifen verformt sich ballonartig – das heißt die Flanken wölben sich nach außen und die Lauffläche berührt nur noch in der Mitte die Fahrbahn. Ein erhöhter Luftdruck entsteht in der Regel durch Bedienerfehler. Diese Auswirkungen hat der zu hohe Reifendruck:

  • Die Schultern berühren den Boden nicht mehr, das wird vor allem in Kurven gefährlich, da die stützenden Blöcke fehlen.
  • Die Beschleunigungs- und Bremsleistung ist beeinträchtigt, da weniger Gummi auf der Straße liegt.
  • Wenn der Reifen zu prall ist, sinkt auch sein dämpfender Effekt – Bodenwellen und andere Fahrbahnunebenheiten werden dann besser ins Fahrzeuginnere übertragen. Darunter leiden zusätzlich auch die Fahrwerkskomponenten.
  • Bei Schnee oder nasser Fahrbahn hat der Reifen nicht mehr den nötigen Grip, weil nur ein kleiner Teil der Profilstruktur die Straße berührt.

Reifendruck prüfen

Für Ihre Fahrsicherheit und die Materialschonung ist es wichtig, dass Sie Ihre Bereifung im Auge behalten.

Prüfen Sie Ihren Reifendruck regelmäßig – am besten alle 14 Tage.

Im Bereich des Jahreszeitenwechsels sollten Sie den Reifendruck wegen der Temperaturschwankungen sogar häufiger kontrollieren. Außerdem vor jeder größeren Fahrt oder bei viel Zuladung. Hier haben wir alle Infos für Sie gesammelt, damit nichts schief geht.

Wo steht der Reifendruck?

Der richtige Reifendruck ist von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich und immer vom Hersteller vorgegeben. Auch die Stellen, an denen Sie die Angaben finden können unterscheiden sich. Sie bekommen die Informationen zum Beispiel hier:

  • An der B-Säule bei geöffneter Fahrer- oder Beifahrertür
  • Auf der Innenseite des Tankdeckels
  • Im Handschuhfach
  • In der Bedienungsanleitung
  • In den Reifendrucktabellen der Hersteller

Meistens gibt es getrennte Werte für die Vorder- und Hinterachse sowie eine Angabe für Voll- oder Teillast. Der Teillastdruck ist für die alltäglichen Fahrten gedacht, auf Vollastdruck gehen Sie, wenn Sie beispielsweise mit voll bepacktem und besetztem Auto in den Urlaub fahren – also für längere Fahrten mit hoher Geschwindigkeit und größerer Last. Nach diesen Fahrten sollten Sie aber wieder auf Teillast reduzieren. Mit zunehmendem Umweltbewusstsein geben viele Hersteller auch noch einen „Eco-Wert“ an. Das bedeutet ein leicht erhöhter Reifendruck, der das Fahrverhalten noch nicht beeinflusst aber für einen geringeren Kraftstoffverbrauch und Verschleiß sorgt. Der Druck für Sommer- und Winterbereifung kann sich auch unterscheiden.

Reifendruck-Label in der Fahrertür

Hier gibt es eine Angabe für kurze Strecken, Langstreckenfahren mit Autobahn und eine Eco-Variante für bestmöglichen Kraftstoffverbrauch. Zusätzlich finden Sie die Werte für das Ersatzrad.

Übrigens, meist ist der Reifendruck an der Vorderachse etwas höher als hinten.

Das liegt daran, dass vorne mit Motor, Getriebe und dem Fahrer mehr Gewicht lastet als hinten. Machen Sie sich aber keine Gedanken, wenn bei Ihnen beide Achsen mit dem gleichen Reifendruck ausgeschrieben sind – die Fahrzeugingenieure stellen für jeden PKW intensive Berechnungen an und bestimmen die besten Werte.

Wie messe und korrigiere ich den Reifendruck?

Am einfachsten geht das an der Tankstelle. Hier gibt es in den meisten Fällen kostenlose Reifendruck-Säulen. Achten Sie darauf, dass der Reifen kalt ist – fahren Sie davor am besten nicht mehr als 10 km. Denn wenn der Reifen wärmer wird, steigt auch der gemessene Luftdruck.

  1. Schrauben Sie die Ventilkappe ab.
  2. Setzen Sie den Stecker des Messgerätes an. Achten Sie darauf, dass das zischende Geräusch direkt wieder verschwindet – sonst ist die Verbindung nicht dicht. Dann müssen Sie die Position korrigieren – es genügt meistens, den Stecker leicht hin und her zu bewegen.
  3. Lesen Sie dann den aktuellen Reifendruck ab und vergleichen Sie ihn mit dem vom Hersteller geforderten.
  4. Müssen Sie Druckluft nachfüllen, können Sie über die „Plus“ und „Minus“-Tasten die passende bar-Zahl auswählen. An modernen Zapfsäulen geben Sie den gewünschten Luftdruck vorab im Display ein – er wird dann automatisch angepasst. Bei älteren Kompressoren wird der Druckluftknopf direkt bedient.
  5. Die Füllung erfolgt bei den meisten Säulen stoßweise und das Ende wird mit einem Piepton angezeigt.
  6. Nehmen Sie den Stecker ab – ein kurzes Zischen ist normal.
  7. Vergessen Sie nicht, die Ventilkappe wieder aufzuschrauben. Sie verhindert, dass Undichtigkeit durch Verschmutzungen zustande kommt.

Denken Sie daran, auch regelmäßig das Ersatzrad zu prüfen, damit Sie im Ernstfall darauf zurückgreifen können.

Wenn Sie selten fahren oder sich den Weg zur Tankstelle sparen möchten, gibt es auch kleine Messgeräte für zuhause. Diese Variante hat nur den Nachteil, dass Sie nicht gleich nachfüllen können, wenn der Reifen zu viel Luft verloren hat.

Heranfahren an die Reifendruck-Säule
Korrekten Reifendruck einstellen
Reifen  füllen

In welcher Einheit wird der Reifendruck gemessen?

Normalerweise wird der Luftdruck der Reifen in bar angegeben. In seltenen Fällen könnten Sie beispielsweise bei einem amerikanischen Muscle Car auf die Maßeinheiten „kPa“ (Kilopascal) oder „psi" (pound per square inch) stoßen. Das ist in Deutschland aber unüblich. Für den Fall lassen sich die Einheiten aber leicht umrechnen. Ein bar entspricht 100kPa und 14,5 psi. Üblicherweise bewegt sich ein sinnvoller Reifendruck um die 2,2 bar herum.

Reifendruck Winterreifen – das müssen Sie beachten

Winterreifen werden in der Regel aufgezogen, wenn es noch Plusgrade hat. Wenn die Temperaturen dann abfallen, zieht sich die Luft im Reifeninneren zusammen und der Druck sinkt.

Gerade in der Übergangsphase oder bei schwankenden Temperaturen macht es deswegen Sinn, den Reifendruck häufiger zu kontrollieren.

Bei manchen Herstellern gibt es eine extra Druckangabe für den Winter, die präventiv etwas höher ist. Falls Sie keine separate Angabe haben, können Sie den Reifen für die Übergangszeit zum Winter mit 0,2 bar mehr befüllen. So sind die Fahreigenschaften noch nicht beeinträchtigt, aber Sie haben einen kleinen Puffer, wenn die Temperatur sinkt.
Beim Thema Reifendruck für Sommerreifen gilt übrigens ähnliches. Hier ist es so, dass sich die
Luft mit steigender Temperatur ausdehnt. Das heißt, wenn es auf die Sommermonate zugeht, können Sie etwas sparsamer mit der Druckluft sein. Mit zu wenig Luft sollten Sie aus Präventionsgründen aber nie fahren! Lassen Sie bei stark steigenden Temperaturen nach der Kontrolle lieber wieder etwas Druckluft ab.

Reifendruckkontrollsysteme

Das RDKS ist für alle neu zugelassenen Autos seit 2014 Pflicht. Man unterscheidet zwischen direktem und indirektem RDKS. Die Technik dahinter unterscheidet sich – die Ausgabe an Sie ist aber relativ ähnlich. Es handelt sich um eine elektronische Kontrolleinheit, die ein Absinken des Luftdrucks registriert und eine Warnmeldung ausgibt. Wenn das Warnlicht leuchtet, sollten Sie bei der nächsten Möglichkeit anhalten und die Reifen kontrollieren.

Unser Tipp: Häufig gibt es in neueren Wägen kein Ersatzrad mehr sondern ein Pannenkit. Hier ist in der Regel ein Kompressor enthalten, mit dem Sie den Reifendruck kontrollieren und ggf. Nachjustieren können. Das funktioniert nur, wenn der Reifen keine größeren Verletzungen hat, durch die er schnell Luft verliert. Der Kompressor ist nicht für den Alltag sondern nur für Notfälle gedacht.

Macht Reifengas Sinn?

Reifengas beinhaltet größtenteils Stickstoff und kommt ursprünglich aus dem Flugverkehr sowie Motorsport. Die Händler werben mit geringerem Druckverlust, weil Stickstoff schlechter durch das Gummi entweichen kann als Sauerstoff. Allerdings besteht unsere Umgebunsluft ohnehin schon aus knapp 80% Stickstoff und auch bei einer Füllung mit Reifengas können Sie nicht auf die 14 tägige Kontrolle verzichten. Die Kosten für eine Füllung aller 4 Reifen liegen bei ca. 10 bis 15 €.

Insgesamt sind wir der Meinung, dass Reifengas außerhalb von Extrembelastungen (Flugbetrieb, Raumfahrt, Motorsport, Gefahrguttransporte) keinen wirklichen Mehrwert bietet. Bleiben Sie lieber bei Luft und halten Sie sich an die regelmäßigen Kontrollen.

Anzeichen, dass Ihr Reifendruck zu niedrig ist

Auch ohne RDKS können Sie am Fahrverhalten Ihres PKW merken, dass Ihr Luftdruck zu niedrig ist. In diesen Fällen sollten Sie auf keinen Fall weiter fahren – sonst riskieren Sie im schlimmsten Fall einen Reifenplatzer oder Unfall. Die Signale sind:

  • Zug nach rechts oder links, obwohl Sie das Lenkrad gerade halten.
  • Ein verlängerter Bremsweg und ein schlechteres Beschleunigungsverhalten.
  • Ein unruhiges Heck, vor allem beim Spurwechsel. Im schlimmsten Fall kann es in der Kurve unkontrolliert ausbrechen.
  • Wenn Ihr Fahrzeug mit einem ESP ausgestattet ist, kann es sein, dass es zu Bremseingriffen und zum Aufleuchten er ESP-Warnleuchte kommt.

Reifendruck-Spezialfall: Gelände

Wenn Sie gerne Offroad-Touren unternehmen und viel abseits der Straße unterwegs sind, kann es Sinn machen, den Luftdruck an den Untergrund anzupassen. Spezialisten reduzieren den Luftdruck im Extremfall manchmal sogar unter 1 bar. Das sollten Sie aber nur tun, wenn Sie ein Experte sind. Aber auch für ungeübtere Geländefahrer kann es vor allem bei Schlamm oder Sand Sinn machen, die Luft um 20 - 40% Sinn zu reduzieren. So sinken Sie weniger stark ein. Die Geschwindigkeit sollten Sie entsprechend anpassen. Denken Sie aber daran, dass Sie auf Straßen immer mit 100% Reifendruck fahren müssen – das heißt bevor Sie sich auf den Rückweg über eine Route machen, auf der die StVZO gilt, müssen sie den Luftdruck wieder anpassen.

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Quellen

ADAC (2019): Richtiger Reifendruck. URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/reifendruck/ – zuletzt geprüft 20.07.2020.

AutoBild (2019): So finden Sie den richtigen Luftdruck. URL: https://www.autobild.de/artikel/ratgeber-reifendruck-989347.html – zuletzt geprüft 20.07.2020.

Continental (o.J.) Reifendruck. URL: https://www.continental-reifen.de/autoreifen/reifenwissen/reifenpflege-und-wartung/reifendruck – zuletzt geprüft 20.07.2020.

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