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Reifen auswuchten – damit alles wieder rund läuft

Lesedauer: 10 min • Veröffentlicht am 11.02.2021

Sie kennen das vielleicht. Wenn Sie nach dem Reifenwechsel auf Ihre Rechnung von der Kz-Werkstatt schauen, haben Sie bestimmt auch schon einmal die Position „Reifen auswuchten“ gesehen. Aber was genau ist das? Und ist das wirklich nötig oder versucht Ihnen hier jemand das Geld aus der Tasche zu ziehen? Wir haben alle Antworten für Sie.

Was ist eine Reifen-Unwucht?

Genau genommen, wird gar nicht der bloße Reifen ausgewuchtet sondern immer das Rad. Das Rad besteht aus Reifen und Felge. Beim Aufziehen des Reifens auf die Felge ist das Gewicht nie genau gleichmäßig verteilt – das nennt man dann Unwucht. Die Unwucht hat zwei Hauptursachen. Zum einen das Ventil, das auf einer Seite angebracht ist und durch die Aussparung an der Felge aber selten genau aufgewogen wird. Zum anderen (bei Reifen, die schon gefahren wurden) die ungleichmäßige Abnutzung von Reifen durch starke Bremsmanöver oder schnelle Kurvenfahrten. Auch das häufige Anfahren von Bordsteinkanten kann zu einer Umverteilung des Gewichts sorgen, weil der Reifen sich auf der Felge drehen kann. All diese Faktoren sorgen dafür, dass das Gewicht nicht ganz gleichmäßig verteilt ist und das Rad nicht 100%ig rund läuft. Dann kommt das Reifen Auswuchten ins Spiel.

Wie werden Reifen ausgewuchtet?

Der Reifen mit der Felge wird auf der Radauswuchtmaschine eingespannt. Diese bestehen quasi aus einer Achse, auf der das Rad montiert wird und aus der zugehörigen Mess-Sensorik inklusive Anzeigemonitor.
Die Dimensionen des Reifens werden in der Maschine erfasst und dann wird der Reifen schnell auf der Achse gedreht.

Die Messelektronik berechnet dann die Unwucht anhand der gemessenen Kräfte, die an der Achse wirken. Die Sensoren erkennen genau, an welcher Stelle und wie groß die Unwucht ist.

Dann geht es ans eigentliche Reifen auswuchten. Der Kfz-Mechaniker bringt nach Positionsvorgabe der Mess-Sensorik Wuchtgewichte an der Felge an. Bei Stahlfelgen sind das in der Regel Schlag- oder Clipsgewichte am äußeren Rand, bei Alufelgen werden normalerweise Klebegewichte unsichtbar im Inneren angebracht. Am Ende wird der Reifen mit den neu montierten Gewichten nochmals gedreht. Wenn hier immer noch eine Unwucht vorhanden ist, wird mittels elektronischem Feinwuchten nachjustiert.

Reifen auf der Wuchtmaschine

Statisches oder dynamisches Wuchten

Beim Reifen auswuchten gibt es noch eine feinere Unterteilung, je nachdem wie die Reifenbeschaffenheit ist und in welcher Form die Unwucht auftritt. Man unterscheidet in statisch oder dynamisch.

  • Statisches Auswuchten: Beim statischen Auswuchten wird nur berücksichtigt, an welcher Stelle rund um den Reifen das Gewicht befestigt wird. Eine statische Unwucht liegt vor, wenn das Rad lediglich eine schwere Seite hat. Hat es zwei schwere Seiten an der Innen- und an der Außenseite des Rades, sprechen Experten von einer dynamischen Unwucht. 
  • Dynamisches Auswuchten: Hier wird auch die Lage der Unwucht entlang der Achse mit einbezogen. Also ob die Unwucht eher links oder rechts liegt, wenn man von vorne auf die Lauffläche schaut. Diese Variante ist noch präziser, aber erst ab einer gewissen Reifenbreite möglich.

Unwucht – habe ich einen „schlechten“ Reifen bekommen?

Das Ihr Rad erst einmal eine Unwucht hat, wenn der Reifen frisch auf die Felge gezogen wird, ist völlig normal – jeder Reifen muss am Anfang ausgewuchtet werden.

Das liegt vor allem an der ungleichmäßigen Gewichtsverteilung des Ventils und hat nichts mit dem Reifen zu tun. Später auftretende Unwuchten hängen häufig mit einem ungleichmäßig abgefahrenen Profil zusammen. Aber auch das ist kein Minderwertigkeitsmerkmal des Reifens – bei Bremsmanövern oder bei Kurvenfahrten mit hohen Geschwindigkeiten werden bestimmte Teile des Reifens einfach stärker belastet. Sie müssen sich also keine Sorgen um die Qualität machen, auch wenn Sie Ihre Reifen auswuchten lassen müssen.

Das passiert, wenn Ihre Räder nicht richtig ausgewuchtet sind

Durch die hohen Geschwindigkeiten, die unsere PKW leisten können und die damit verbundene Fliehkraft werden kleine Unwuchten schnell multipliziert.

Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h wirken 10 g Unwucht schon wie 2,5 kg, die an der Achse wirken.

Bei 200 km/h sind es dann schon 10 kg – also das 1.000-fache an Gewicht und somit auch an Kräften, die außerplanmäßig auf Ihr Fahrzeug einwirken.
Neben dem sinkenden Fahrkomfort und der steigenden Gefahr werden die
Bauteile durch die stärkeren Vibrationen zusätzlich belastet – der Verschleiß steigt. Das betrifft vor allem Lenkgetriebe, Radaufhängungen und Radlager. Seh sehen also, Reifen wuchten ist ein wichtiges Element des Reifen-Services.

Wie macht sich eine Unwucht bei Reifen bemerkbar?

Die Unwucht lässt sich von außen und vor allem im Stillstand quasi nicht erkennen. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, die Sie während der Fahrt im Fahrzeuginneren wahrnehmen können.

Wenn Sie im Bereich zwischen 80 km/h und 120 km/h deutliche Schwingungen wahrnehmen, ist das ein recht sicheres Indiz für eine Unwucht.

Das spüren Sie meist in Form von Vibrationen am Lenkrad. Wenn die Hinterräder nicht richtig ausgewuchtet sind, kann auch das gesamte Fahrzeug ins Schwingen kommen.
Außerdem können Sie bei Kurvenfahrten häufig einen
schlechteren Grip wahrnehmen – das ist immer auch ein Sicherheitskriterium.
Rein optisch kann es sein, dass Ihnen am der Lauffläche ein
untypischer Abrieb auffällt. Meistens ist das Profil einseitig stärker abgefahren. Wenn die Achsvermessung hier kein Ergebnis liefert, liegt es oft an einer Unwucht.

Wenn Sie eine oder mehrere dieser Eigenschaften wahrnehmen, spreche Sie zeitnah mit Ihrer Kfz-Werkstatt – das sind deutliche Anzeichen dafür, dass Sie Ihre
Reifen auswuchten lassen sollten.

Wie häufig sollte ich meine Reifen auswuchten lassen?

Sie sollen Ihre Räder auf jeden Fall immer neu wuchten lassen, wenn:

  • Sie neue Reifen auf die Felgen ziehen lassen.
  • Sie feststellen, dass Sie ein Wuchtgewicht verloren haben.
  • Sie Vibrationen oder eine allgemeine Unruhe des Fahrzeuges vor allem im Bereich zwischen 80 km/und 120 km/h wahrnehmen.
  • Ihnen ein untypischer Abrieb an der Lauffläche auffällt.
  • In regelmäßigen Abständen, z.B. beim saisonalen Reifenwechsel, da sich die Reifen vor allem bei hochperformanten Fahrmanövern manchmal leicht auf der Felge drehen können oder sich ungleichmäßig abnutzen.

Was kostet Reifen auswuchten?

Das reine Reifen wuchten in der Werkstatt kostet in der Regel zwischen 3 und 8 € pro Rad. Für Alufelgen verlangen manche Kfz-Werkstätten nochmals einen Aufpreis von 2,5 bis 4 € je Reifen.

Insgesamt macht das für einen ganzen Satz also zwischen 12 und 48 € – je nach Werkstatt und Ausführung.

Bedenken Sie, dass für die Ab- und Anmontage der Räder in der Regel noch ein zusätzlicher Betrag anfällt – ebenso wie für die Einlagerung saisonaler Bereifung.
Die Preise können hier sehr stark variieren, fragen Sie die Kosten deswegen am besten vorab bei Ihrer Werkstatt an.

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Quellen

AutoBild (2018): Damit der Reifen rundläuft. URL: https://www.autobild.de/artikel/reifen-auswuchten-42411.html – zuletzt geprüft 11.08.2020.

Focus (2019): Winterreifen wechseln und auswuchten. URL: https://www.focus.de/auto/experten/reifenwechsel-hochsaison-muss-ich-wirklich-auswuchten-experten-tipps-zu-winterreifen_id_6096124.html – zuletzt geprüft 12.08.2020.

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