Reifenwissen
RDKS

> Reifenwissen > RDKS

RDKS: alles was Sie über Reifendruckkontrollsysteme und Reifenwechsel wissen müssen

Lesedauer: 13 min • Veröffentlicht am 10.08.2020

Die Relevanz des richtigen Reifendruckes wird häufig unterschätzt. Zu wenig Luft ist der Hauptgrund für Reifenplatzer und diese können gerade bei höheren Geschwindigkeiten tödlich enden. Um diese Gefahr zu minimieren gibt es das Reifendruckkontrollsystem. So sperrig wie das Wort ist auch der Umgang damit. Es gibt verschiedene Methoden, die für den normalen Autofahrer aber gar nicht so leicht auseinanderzuhalten sind und oft herrscht Unsicherheit beim Reifenkauf. Hier erfahren Sie alles, was Sie wirklich über das RDKS wissen müssen.

Reifenventil mit verbautem RDKS

Von außen ist das RDKS gar nicht sichtbar.

Was ist ein RDKS?

Das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) übernimmt die permanente elektronische Überwachung des Reifendrucks bei Kraftfahrzeugen während der Fahrt und je nach System auch im Stand. Die Abkürzung „TPMS“ finden Sie auch häufig – das steht für die englische Bezeichnung „Tyre Pressure Monitoring System“.

Die größten Vorteile sind die Vermeidung von Unfällen, ein geringerer Kraftstoffverbrauch und weniger Verschleiß bei passendem Luftdruck.

So funktionieren RDKS-Sensoren

Reifenruckkontrollsysteme geben Ihnen über die Warnleuchte oder den Bordcomputer eine Rückmeldung, sobald Ihr Reifendruck abfällt. Anforderungen durch die EU-Verordnung sind:

  • Die Erkennung eines Druckverlustes um 20% unter dem Normalwert bei Einzelreifen innerhalb von 10 Minuten.
  • Erkennung eines plötzlichen oder schleichenden Druckverlustes.
  • Makellose Funktion zwischen 40 km/h und der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges.

Zur Bestimmung dieser Kriterien gibt es zwei verschiedene Systeme:

Direkte Reifendruckkontrollsysteme

Das direkte RDKS arbeitet mit einer permanenten Abfrage der exakten Messwerte. Das heißt sie erfassen den tatsächlichen Druck der Reifen über die Sensoren, die am Ventil verbaut sind. Sie können hier den Druck jedes einzelnen Rades über Ihren Bordcomputer ablesen. Manchmal wird es auch als aktives RDKS bezeichnet.

Auf einen Blick:

+ Luftdruck- und Temperaturüberwachung an jedem Rad einzeln
+ Sehr genaues Messergebnis
+ Erhöhte Sicherheit durch rechtzeitige Warnung
+ Messung auch im Stand möglich
+ Info, welcher Reifen betroffen ist
- Zukauf der Sensoren pro Radsatz
- Kommt der Sensor bei einer Panne mit Reifendichtmittel in Kontakt, muss er ausgetauscht werden
- Selbstständiger Reifenwechsel ohne Werkstatt kaum möglich

Indirekte Reifendruckkontrollsysteme

Das indirekte RDKS (auch passiv genannt) braucht keine eigenen Sensoren sondern greift auf die bereits verbaute Sensorik zurück. Der Reifendruck an sich wird nicht bestimmt. Hier gibt es zwei verschiedene Methoden.

  • Raddrehzahl: Wenn der Reifendruck sinkt, verringert sich der Außendurchmesser (Abrollumfang). Über die ABS-Sensoren erkennt das passive RDKS, ob ein Reifen eine höhere Drehzahl hat als die anderen und kann Sie so vor Luftverlust warnen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Druck in allen Reifen gleichzeitig und gleichmäßig abfällt – in diesem Fall könnte der Luftverlust nicht über die Raddrehzahl erkannt werden, da die Messung nur auf dem Vergleich der Reifen untereinander basiert.
  • Radfrequenz: Hier wird der Druck über eine Schwingungen des Reifens auf der Felge bestimmt. Diese Messung erfolgt an jedem Rad einzeln und ist unabhängig von den Referenzen der anderen Reifen.

Auf einen Blick:

+ Kein Sensorenverbau und -austausch bei Radwechsel
+ Geringerer Aufwand
+ Keine Mehrkosten
- Luftverlust nur während der Fahrt feststellbar
- Keine Info, welcher Reifen betroffen ist – alle müssen kontrolliert werden

Reifenwechsel mit RDKS – was muss ich beachten?

Für den Reifenkauf an sich macht es keinen Unterschied, ob und welches Reifendruckkontrollsystem in Ihrem Fahrzeug verbaut ist.

Wichtig wird es dann beim Wechsel. Beim direkten RDKS ist der Sensor am Ventil verbaut. Das heißt sobald ein neuer Reifen auf die Felge kommt, muss auch der RDKS-Sensor ausgebaut werden. Grundsätzlich ist es möglich, diese dann an die neuen Räder zu montieren, es wird aber jedes Mal ein sogenanntes Service-Kit mit spezifischen Dichtungen benötigt. Viele Autofahrer investieren lieber ein bisschen mehr und lassen sich dafür komplett neue Sensoren einbauen.
Bei indirekten Systemen fällt der Verbau von Sensoren weg, da dieses die ABS-Sensorik mitverwendet.


In beiden Fällen muss der Bordcomputer auf die neuen Reifen und den passenden Luftdruck kallibiert werden – hierzu haben Ihre Kfz-Experten das nötige Know-How und spezielle Ausrüstung. Deswegen empfehlen wir Ihnen, den Reifenwechsel in der Werksatt durchführen zu lassen, wenn in Ihrem Fahrzeug ein RDKS verbaut ist. Dort können Sie die Altreifen auf Wunsch auch direkt entsorgen lassen.

Reifendruckkontrollsystem Fahrerassistenz

Gibt es eine RDKS-Pflicht?

Ein RDKS hat Vorteile für Ihre Sicherheit, aber abgesehen davon ist es für bestimmte Fahrzeuge Pflicht. Seit dem 01.11.2012 müssen alle neu typengenehmigten Fahrzeuge der Klasse M1 (PKW und Wohnmobile, die höchstens 9 Sitzplätze inklusive Fahrer haben) und M1G (geländegängige Fahrzeuge zur Personenbeförderung) mit einem Reifendruckkontrollsystem ausgestattet sein. Eine Gesetzeserweiterung sieht zusätzlich vor, dass ab dem 01.11.2014 generell jedes Neufahrzeug der Klassen M1 und M1G mit einem System zur Kontrolle der Reifendrücke ausgestattet sein muss. Wenn Sie ein neueres Auto fahren, ist es direkt ab Werk mit einem RDKS ausgestattet. Theoretisch besteht auch bei Fahrzeugen, die vor 2011 gefertigt wurden, die Möglichkeit, ein Reifendruckkontrollsystem nachzurüsten, hier gibt es aber keine RDKS-Pflicht.

Kann ich ein RDKS nachrüsten?

Bei älteren Fahrzeugen ist das Reifendruckkontrollsystem keine Pflicht, aber manche Autofahrer schätzen das Plus an Sicherheit und lassen ein RDKS nachrüsten. Es gibt entsprechende Systeme – in der Regel werden direkte RDKS nachgerüstet. Es wird ein Sensor an jedem Rad angebracht und eine eigene Kontrolleinheit eingebaut. Dann wird das System in die Bordelektronik eingebunden und funktioniert wie jedes andere aktive Reifendruckkontrollsystem.

Kann ich die RDKS-Sensoren deaktivieren?

Theoretisch kann Ihr RDKS deaktiviert werden, das ist aber rechtlich nicht zulässig. Ein fehlendes oder nicht funktionierendes Reifendruckkontrollsystem gilt beim TÜV als Mangel und muss sofort ersetzt werden. Außerdem erfüllt das RDKS eine Sicherheitsfunktion und Sie haben keine Vorteile, wenn es deaktiviert ist.

Vorteile RDKS

Das RDKS warnt Sie, wenn Ihr Reifendruck zu niedrig ist. Der Luftdruck der Bereifung ist ein essenzielles Schlüsselelement für Ihre Fahrsicherheit. Wenn die Reifen platter sind als vorgeschrieben, dann liegt mehr Gummi auf der Straße und auf den Reifenflanken ist weniger Spannung. Es entsteht mehr Reibung und das Gummi kann teilweise Temperaturen von über 100 °C erreichen. Durch das Walken des heißen Materials kann es dann letztendlich zum Reifenplatzer kommen.
Aber schon davor ist ein niedriger Luftdruck ungünstig. Durch die erhöhte Auflagefläche kommt es zu
mehr Abrieb des Reifens, das heißt, Ihr Profil ist schneller abgefahren und der Kraftstoffverbrauch steigt ebenfalls. Es lohnt sich also immer, auf den passenden Reifendruck zu achten.

4 Gründe für plötzlichen Luftverlust im Reifen

Ein schleichender Luftverlust ist normal, da kein Bauteil 100%ig luftdicht ist. Wenn Ihnen Ihr RDKS allerdings einen schnellen Druckabfall in einem der Reifen signalisiert, sollten Sie nicht einfach nachfüllen und weiterfahren. Untersuchen Sie Ihre Bereifung und konsultieren Sie eine Kfz-Werkstatt. Hier haben wir die häufigsten Gründe für schnellen Luftverlust für Sie:

  1. Ein eingefahrener Nagel. Meist verschließt ein Nagel oder eine Schraube das Loch ein wenig – der Druckabfall ist aber deutlich messbar. Zusätzlich hören Sie oft ein klackerndes Geräusch, das bei höheren Geschwindigkeiten schneller wird.
  2. Poröses Gummi. Ist der Reifen schon älter und wird nicht oft bewegt kann es sein, dass sich feine Risse im Gummi bilden, die Luft entweichen lassen.
  3. Verletzungen der Reifenoberfläche. Ein kleiner Einschnitt oder ein Karkassenbruch kann lange unentdeckt bleiben, der Reifen verliert aber massiv an Luft.
  4. Korrosion an Felge oder Ventil. Wenn die Felge schon etwas älter ist, kann es zu korrodierten Bereichen kommen. Sitzt die Korrosion direkt am Felgenhorn, wo die Felge mit dem Reifen abschließt, ist die Stelle nicht mehr richtig dicht und Luft kann permanent ausströmen. Das gleiche gilt für ein beschädigtes Ventil.
Platter Reifen nach schnellem Luftverlust

Ein RDKS warnt Sie frühzeitig vor einem platten Reifen.

Neben RDKS jetzt bald auch RPKS?

Keine Sorge, wenn Sie nicht wissen, was das ist – diese Technologie und auch die Begrifflichkeit gibt es (noch) nicht. RPKS steht für „Reifenprofiltiefenkontrollsystem“. Bisher müssen wir unsere Profiltiefe noch manuell messen – das geht mit einem Profiltiefemesser, aber auch einfach mit einer Geldmünze. In der Werkstatt geht es dann auch mit Laserscan aber in jeden Fall müssen wir aktiv daran denken. Die University of Pittsburgh in den USA arbeitet an einer sensorischen Lösung – allerdings nicht als RPKS sondern unter dem Namen „Osprey“. So könnte die Profiltiefe permanent in Echtzeit überprüft werden. Die Gefahr mit einem abgefahrenen Profil unterwegs zu sein, weil man das regelmäßige Prüfen versäumt hat, würde so deutlich sinken. Noch ist diese Technologie nicht spruchreif, aber an der Universität sind Forscher seit 2018 in Kooperation mit dem Reifenhersteller Bridgestone aktiv mit diesem Thema beschäftigt. Vielleicht gibt es neben dem RDKS also bald auch eine neue Sensorik, die uns die Autowartung einfacher und damit auch das Fahren ein bisschen sicherer macht.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

28.10.2019
So bestimmen Sie Ihr Reifenalter
Das Reifenalter ist ein hart umstrittenes Thema, erfahren Sie bei uns, wie Sie es selbst bestimmen können und was das Alter für Ihre Reifen bedeutet.

Weiterlesen

29.10.2019
Welche Kennzeichnung brauchen meine Winterreifen wirklich?
Was ist das Alpine-Symbol und was ist mit dem M+S-Symbol? Lernen Sie die neue Gesetzesregelung direkt bei uns kennen und lesen Sie, worauf Sie achten müssen.

Weiterlesen

30.10.2019
M+S-Reifen im Winter – ist das Pflicht?
Wenn man nach wintertauglichen Reifen sucht, kommt man um "M+S-Reifen" nicht herum. Erfahren Sie hier, was es damit auf sich hat und worauf Sie achten müssen.

Weiterlesen

Quellen

ADAC (2020): So funktionieren Reifendruck-Kontrollsysteme. URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/reifendruck-kontrollsystem/ – zuletzt geprüft 09.06.2020.

AutoBild (2018): Reifenwechsel mit RDKS. URL: https://www.autobild.de/artikel/rdks-pflicht-reifenwechsel-3735240.html – zuletzt geprüft 09.06.2020.

DVR (o.J.): Was sind RDKS? URL: https://reifenqualitaet.de/technik/rdks/ – zuletzt geprüft 09.06.2020.

Neue Reifenzeitung (2020): Kommt nach RDKS bald ein RPKS? URL: https://reifenpresse.de/2020/08/19/kommt-nach-rdks-bald-ein-rpks/ – zuletzt geprüft 07.09.2020.

Stellen Sie eine Anfrage für Ihr Produkt

Sie wollen nicht auf den "" verzichten? Kontaktieren Sie uns gerne für eine Einschätzung oder wir finden eine passende Alternative für Sie.

Gültige Eingabe.
Bitten geben Sie einen Name an.
Gültige Eingabe.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Gültige Eingabe.
Bitte geben Sie eine gültige Telefonnummer ein.
Gültige Eingabe.
Bitten geben Sie die benötigte Anzahl an.
Gültige Eingabe.
Bitte hinterlassen Sie uns eine Nachricht.