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Radwechsel – auf die nächste Saison vorbereitet

Lesedauer: 13 min • Veröffentlicht am 09.03.2021

Der Radwechsel wird umgangssprachlich auch gerne Reifenwechsel genannt. Aber gibt es einen Unterschied? Und sollten Sie die saisonale Bereifung lieber selbst tauschen oder den Radwechsel in der Werkstatt vornehmen lassen? Wir geben sinnvolle Tipps rund um das Thema Räder wechseln und zeigen Ihnen was es sonst noch zu beachten gibt.

Reifen- oder Radwechsel?

Die beiden Begriffe werden gerne synonym verwendet. Es gibt aber einen Unterschied. Das was wir allgemein als Reifenwechsel bezeichnen, ist eigentlich der Radwechsel. Wenn der Reifen schon auf einer Felge ist, nennt man die Kombination aus beidem dann Rad. Der Radwechsel beschreibt das Umstecken der Räder, also die Demontage und Neumontage von Reifen inklusive Felgen auf das Fahrzeug. Mit dem Wechsel des Reifens ist das Abziehen und wieder Montieren von neuen Reifen auf die Felge gemeint.

Radwechsel-Werkzeug – das brauchen Sie

Stellen Sie sicher, dass Sie alle nötigen Utensilien haben, bevor Sie mit der Demontage beginnen.
Die wichtigsten Werkzeuge sind:

  • stabiler Wagenheber
  • Radkreuz
  • Drehmomentschlüssel
  • eine Schachtel für Schrauben
  • Wachskreide
  • ggf. Schlüssel für Felgenschloss
  • Drahtbürste
  • Lappen
  • Handschuhe

Wenn Sie von Stahl- auf Leichtmetallfelgen wechseln möchten, dann brauchen Sie meist andere Schrauben und -muttern. Halten Sie diese genauso bereit wie die passenden Felgenschlösser.

Stellen Sie außerdem sicher, dass Sie die richtigen Reifen bereit halten. Wenn Sie eingelagerte Reifen verwenden möchten, dann sollten Sie rechtzeitig prüfen, ob diese noch eine ausreichende Profiltiefe haben. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm, wir empfehlen Ihnen aber für Sommerreifen mindestens 3 mm und für Winterreifen 4 mm. Alles darunter sorgt für schlechtere Fahreigenschaften und Sicherheitsreserven, vor allem bei Nässe oder Winterwetter. Schauen Sie sich außerdem das Gummi an – gibt es feine Risse oder poröse Stellen? Dann ist es Zeit sich um neue Reifen zu kümmern. Ist alles intakt, können Sie mit dem Radwechsel beginnen.

Profiltiefe-Messung vor dem Radwechsel

Um die Profiltiefe zu prüfen, benötigen sie kein Zusatz-Tool: Der Goldrand einer 1-€-Münze ist ungefähr 3 mm und der silberne einer 2-€-Münze ca. 4 mm.

Räder wechseln – die Anleitung

  1. Auto richtig abstellen: Parken Sie auf einer ebenen Fläche abseits der Straße, damit Sie sich frei um das Fahrzeug bewegen können. Legen Sie bei einem Schaltwagen den ersten Gang ein und ziehen Sie die Handbremse an. Beim Automatik-Auto bitte den Hebel auf „P“ stellen.
  2. Radkappen und Radmuttern: Entfernen Sie die Radkappen, wenn vorhanden und dann lösen Sie die Radmuttern oder -bolzen leicht an – eine viertel bis halbe Umdrehung genügt vorerst.

    Bitte lösen Sie die Muttern auf jeden Fall mit dem Radkreuz und nicht mit dem Drehmoment-Schlüssel – dieser könnte sonst nicht mehr genau funktionieren.

  3. Aufbocken: Setzen Sie nun den Wagenheber an. Achten Sie bei der Position auf die richtige Stelle am Unterboden. Hier gibt es in der Regel eine verstärkte Stelle. Lesen Sie vorab auch die Sicherheitshinweise in Ihrer Bedienungsanleitung.
  4. Fahrzeug anheben: Heben Sie das Fahrzeug an, bis der Reifen nicht mehr den Boden berührt.
  5. Radmuttern abschrauben: Lösen Sie die Schrauben nun komplett. Achtung, wenn Sie die letzte Schraube lösen, kann es sein, dass Ihnen das Rad direkt entgegen kommt. Arbeiten Sie deswegen mit Gegendruck und heben Sie die Felge dann kontrolliert ab.
  6. Sichtkontrolle der Bremsscheiben: Wenn Sie das Rad abmontiert haben, können Sie die Bremsvorrichtung sehen. Sind auf der Bremsscheibe tiefe Rillen zu sehen? Dann sollen Sie diese austauschen lassen.
  7. Räder montieren: Die Reifen, die in der Vorsaison auf der Hinterachse angebracht waren, sollten nun nach vorne und umgekehrt. Das gilt nur, wenn Sie 4 gleich große Reifen fahren – bei Mischbereifung tauschen Sie bitte nur achsweise und sprechen Sie vorab mit Ihrer Werkstatt, ob das möglich ist. Beachten Sie bei laufrichtungsgebundenen Reifen die richtige Laufrichtung (diese können nur auf einer Seite nach vorne oder hinten getauscht werden) und bei asymmetrischer Bereifung die „outside“-Kennzeichnung (hier können Sie auch diagonal tauschen, solange die Reifen richtig auf den Felgen montiert wurden). Setzen Sie das Rad nun an und ziehen Sie die Schrauben erst einmal handfest mit dem Radkreuz an.
  8. Rad ablassen und festziehen: Lassen Sie das Fahrzeug ab, bis der Reifen gerade auf dem Boden aufsteht und ziehen Sie die Felgen jetzt mit einem Drehmomentschlüssel über Kreuz fest. Das passende Drehmoment finden Sie in Ihren Herstellerangaben. Seien Sie sehr gewissenhaft – eine lose Schraube kann äußerst gefährlich werden. Nach dem Festziehen sollten Sie das Werkzeug wieder entspannen, sonst verliert die Feder im Laufe der Zeit an Spannkraft.

    Hören Sie sofort auf, wenn die Radschraube schwer einzudrehen ist. Entweder ist das Gewinde bereits beschädigt, oder es befindet sich Rost oder Schmutz an der Schraube. Wenn dich die Verunreinigung nicht (sanft) mit der Drahtbürste entfernen lässt, besuchen Sie bitte eine Kfz-Werkstatt.

  9. Abmontierte Reifen kennzeichnen: Verwenden Sie am besten eine Wachskreide und markieren Sie die Reifen zum Beispiel mit „VR“ für „Vorne Rechts“ oder „HL“ für „hinten links“. So wissen Sie beim nächsten Wechsel, wo welcher Reifen hingehört.
  10. Reifendruck prüfen: Nach dem Wechsel sollten Sie direkt Ihren Reifendruck prüfen und nachfüllen.
  11. Schrauben nachziehen: Prüfen Sie die Verschraubung nach ca. 50 km erneut und ziehen Sie die Schrauben gegebenenfalls auf das passende Drehmoment nach.

    Beachten Sie im Pannenfall, dass Noträder häufig ein anderes Drehmoment benötigen als die Standard-Räder. Informieren Sie sich am besten vorab.

  12. Kompletträder einlagern: Reinigen Sie die Räder und lassen Sie diese gut trocknen. Reifen mit Felgen lagern Sie am besten horizontal an einem Reifenbaum oder vertikal hängend an Haken an der Wand. Der Lagerraum sollte trocken, dunkel und kühl sein.
Radwechsel

Kontrollieren Sie Reifen und Felgen am besten direkt vor der Einlagerung noch einmal.

Warnsignale: Dann sollten Sie den Sitz Ihrer Reifen erneut überprüfen

Es ist üblich, dass Winterreifen auf Grund der weicheren Gummimischung und der Profilstrucktur etwas lauter sind, als die Sommervarianten. Also erschrecken Sie nicht, wenn sich die Geräusche nach dem Wechsel leicht verändern. Sie sollten aber hellhörig werden, wenn Sie ein Klappern, Schleifgeräusche oder ein Klopfen hören. Auch ungewöhnliche Lenkrad-Vibrationen können ein Indiz dafür sein, dass etwas nicht stimmt. Häufig sind die Gründe dafür lockere Schrauben oder Rost an der Radnarbe. Begeben Sie sich auf alle Fälle direkt zur nächsten Werkstatt und lassen Sie das von Fachmännern überprüfen.

Wann Räder wechseln?

Hier in Deutschland herrscht die situative Winterreifenpflicht. Das bedeutet, es gibt keinen Stichtag, ab dem Winterreifen montiert sein müssen. Sondern Sie sollten ausgerüstet sein, sobald winterliche Witterung auftritt. Bereiten Sie sich rechtzeitig auf den Wetterumschwung vor und beobachten Sie die Wetterverhältnisse. Die Merkregel „von O bis O“ (also von Oktober bis Ostern) ist eine erste Orientierung, das Wetter ist aber der ausschlaggebende Faktor. Ab 0°C haben Winterreifen bessere Handling- und Bremseigenschaften als Sommerreifen. Wenn sich die niedrigen Temperaturen einstellen, sollten Sie also auf die Winterbereifung wechseln, egal ob es schon Schnee gibt oder nicht.

Anders herum gibt es keine „Sommerreifenpflicht“, aber auch hier gilt, dass die Sommerexperten über 0°C bessere Eigenschaften haben als die Pneus für niedrige Temperaturen. Das liegt an der härteren Gummimischung. Das heißt, auch beim Zurückwechseln sollten Sie sich nicht zu viel Zeit lassen. Neben den schlechteren Sicherhheitseigenschaften fahren sich Winterreifen im Sommer nämlich auch viel schneller ab.

Räder selbst wechseln oder zur Werkstatt gehen?

Beide Varianten haben Ihre Vorteile:

Radwechsel selbst machen

  • Vom Fachmann und damit absolut sicher
  • Die Reifen werden vor der Montage geprüft
  • Bei Bedarf können Sie die Reifen direkt in der Werkstatt einlagern lassen
  • Kombinieren Sie den Radwechsel direkt mit einem anderen Service – oft wird es günstiger
  • Sie müssen keine Werkzeuge anschaffen

Radwechsel in der Werkstatt

  • Sie sparen die Werkstattkosten
  • Sie können bei Wetterumschwung schnell reagieren und müssen nicht auf einen Werkstatttermin warten
  • Sie lernen Ihr Fahrzeug besser kennen
  • Bei einer Reifenpanne können Sie das Ersatzrad problemlos wechseln
  • Bei Lagerung zuhause müssen Sie die Reifen nicht erst einladen und im Fahrzeug aufwändig sichern

Sie sollten den Radwechsel immer nur vornehmen, wenn Sie sich das selbst zutrauen. Unser Tipp: Wechseln Sie Ihre Räder am Anfang immer mit jemandem, der schon Erfahrung hat.

Radwechsel in der Werkstatt

Der Radwechsel in der Werkstatt geht schnell – professionelle Ausrüstung erleichtert die Montage.

Radwechsel Kosten

Für den Radwechsel fallen in der Werkstatt normalerweise um die 40 € für alle 4 Reifen an. Informieren Sie sich am besten vorab, ob das Auswuchten schon mit inbegriffen ist. Ein Radwechsel in der Werkstatt geht schnell – nach 20 - 30 min ist meist alles erledigt. Sie sollten aber frühzeitig einen Termin anfragen, da es gerade in den Hauptsaisonzeiten (Oktober/ November für Winterreifen und März/April für Sommerreifen) zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Ganzjahresreifen – Alternative zum Radwechsel

Wenn Sie nicht mehr vom saisonalen Radwechsel abhängig sein wollen, sind Ganzjahresreifen eine gute Alternative. Ganzjahresprofile können aber an Ihre Grenzen stoßen. Vor allem wenn es um harte Winter in bergigen Regionen geht. Für Vielfahrer macht dieser Reifentyp auch weniger Sinn, da sich das Profil tendenziell etwas schneller abfährt, als wenn Sie saisonal wechseln.

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Quellen

ADAC (2019): Reifen oder Räder richtig wechseln: Infos, Anleitung, Tipps. URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/reifen-wechseln/ – zuletzt geprüft 07.10.2020.

AutoBild (2020): So geht der Reifenwechsel. URL: https://www.autobild.de/artikel/reifenwechsel-2288727.html – zuletzt geprüft 07.10.2020.

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