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Was tun bei plattem Reifen?

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Platter Reifen? So verhalten Sie sich richtig bei einer Reifenpanne

Lesedauer: 12 min • Veröffentlicht am 03.11.2020

Auf der Autobahn auf dem Weg in den Urlaub, zu einem wichtigen Meeting oder mit den Tiefkühlpommes im Kofferraum nach dem Einkaufen – es passiert immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann: der platte Reifen. Wir haben gute Tipps, wie Sie eine Reifenpanne vermeiden können und wie Sie sich im Ernstfall verhalten sollten.

Frühwarnzeichen für platte Reifen

Auch wenn Sie kein RDKS haben, können Sie in den meisten Fällen wahrnehmen, wenn sich eine Reifenpanne anbahnt. Typische Merkmale sind:

  • Ungewöhnliche Vibrationen
  • Klackernde Geräusche
  • Starker Zug nach rechts oder links
  • Veränderung des Fahrgefühls
  • Fahrzeug beginnt zu „schwimmen“

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Merkmale während der Fahrt wahrnehmen, sollten sie Ruhe bewahren und den nächst möglichen Halteplatz aufsuchen.

Ist eine Ausfahrt oder Raststätte in der Nähe ist das ein gutes Ziel – auf der Autobahn können Sie auf dem Standstreifen anhalten. Sonst reicht auch der Straßenrand. Schalten Sie die Warnblinkanlage an und lassen Sie das Fahrzeug möglichst ausrollen. Starkes Bremsen könnte den Reifen zusätzlich beschädigen. Wenn Sie zum Stillstand gekommen sind, schlagen Sie die Räder nach rechts ein. So verhindern Sie, dass Ihr Fahrzeug wieder auf die Straße gestoßen wird, wenn es zu einem Auffahrunfall kommen sollte. Jetzt können Sie (je nach Stelle bitte sehr vorsichtig) aussteigen und das Rad prüfen. Haben Sie einen platten Reifen?

Was tun wenn der Reifen platt ist?

Wenn Sie etwas auffälliges am Reifen entdeckt haben, sollten Sie auf keinen Fall einfach weiter fahren.

Als erstes sollten alle Insassen des Fahrzeuges eine Warnweste anlegen und dann auf der Seite aussteigen, die der Straße abgewandt ist. Die Mitfahrer begeben sich nun an eine Stelle, die möglichst weit weg von der Fahrbahn ist – wenn es eine Leitplanke gibt am besten dahinter. Als Fahrer sichern Sie als nächstes die Stelle mit Ihrem Warndreieck. Schätzen Sie jetzt Ihre Situation realistisch ein. Wenn Sie sich den Reifenwechsel nicht zutrauen, zum Beispiel, weil Sie an einer gefährlichen Stelle direkt an der Straße zum Liegen gekommen sind oder noch nie einen Reifenwechsel vorgenommen haben, verständigen Sie einen Pannendienst. Wenn Sie sich bezüglich Ihrer Situation unsicher sind können Sie immer auch die Polizei kontaktieren.
Befinden Sie sich an einer
geeigneten Stelle und trauen sich zu, selbst Hand anzulegen? Dann können Sie hier lesen, wie Sie mit den verschiedenen Varianten der Pannen-Ausrüstung umgehen.

Fahrzeug mit plattem Reifen und Warndreieck

Der Klassiker: das Ersatzrad

Ein vollwertiges Ersatzrad mit passendem Wagenheber finden Sie in der Regel in Ihrem Kofferraum unter der Bodenabdeckung. Dabei handelt es sich um einen vollwertigen Reifen. Der Tausch funktioniert wie beim Wechsel der saisonalen Bereifung. Sie sollten sich dabei an einer ungefährlichen Stelle befinden, an der Sie sich frei um das Fahrzeug herumbewegen können.

  1. Ziehen Sie die Handbremse an und legen Sie zusätzlich einen Gang ein bzw. den Automatikwählhebel auf die Position „P“ stellen – den Motor schalten Sie auf alle Fälle aus.
  2. Holen Sie das Ersatzrad und die nötigen Werkzeuge aus Ihrem Kofferraum.
  3. Ggf. Radkappe lösen und die Radschrauben dann um ca. eine viertel bis halbe Umdrehung öffnen.
  4. Setzen Sie nun den Wagenheber an. In der Regel gibt es am Rahmen des Fahrzeuges eine verstärkte Stelle, das sehen Sie, wenn Sie unter das Auto blicken – alternativ finden Sie auch Informationen in der Betriebsanleitung. Der Untergrund sollte nicht weich sein, sodass der Wagenheber einen festen Stand hat.
  5. Lösen Sie die Radmuttern nun komplett (Achtung bei der letzten Schraube – das Rad fällt dann ab.)
  6. Nehmen Sie die Felge samt plattem Reifen ab und legen Sie das Ersatzrad an. Ziehen Sie die Muttern handfest an.
  7. Lassen Sie den Wagen wieder ab, sodass der Reifen gerade am Boden steht – dann ziehen Sie die Radmuttern überkreuz an. Den passenden Drehmoment und Luftdruck sollten Sie schnellstmöglich kontrollieren.

Unser Tipp: Vergessen Sie nicht, regelmäßig den Luftdruck Ihres Ersatzrades zu prüfen, damit es im Ernstfall einsatzbereit ist. Bei dieser Gelegenheit können Sie das Gummi auch auf eventuelle Verletzungen untersuchen. Hier kann es manchmal zu porösen Stellen am Material kommen, da der Reifen oft jahrelang unbenutzt im Kofferraum lagert.

Reifenwechsel zum Ersatzrad

Notrad: Wie weit darf ich fahren?

Das sogenannte Notrad ist kleiner und schmaler als ein klassisches Ersatzrad. Es ist mit dem Kürzel T gekennzeichnet, das steht für „Temporary use only“ – also nur zeitlich begrenzte Nutzung. Es ist kein vollwertiges Rad und Sie dürfen nur noch mit maximal 80 km/h fahren. Wir empfehlen Ihnen immer, diesen Reifentypen so schnell wie möglich auszutauschen.

Pannenkit

Viele Fahrzeuge sind heute nur noch mit Pannenkits ausgestattet, da sie wenig Platz benötigen und deutlich weniger Gewicht haben – das wirkt sich positiv auf den Kraftstoffverbrauch und den Abrieb der Reifen aus. Das Einsatzgebiet ist aber begrenzt. Mit dem Dichtmittel können Sie nur Verletzungen an der Lauffläche, wie beispielsweise einen eingefahrenen Nagel, flicken. Schnitte in der Reifenflanke, Gewebebrüche, undichte Ventile oder das Ablösen der Lauffläche können Sie damit nicht abdichten. Es gibt verschiedene Varianten – manchmal muss das Rad abmontiert werden, manchmal nicht. Folgen Sie hier einfach den beiliegenden Anweisungen. Das Material wird immer über das Ventil in den platten Reifen eingespritzt und legt sich über die verletzte Fläche. Beachten Sie aber, dass der Reifen dann auf jeden Fall ausgetauscht werden muss, weil er nicht mehr repariert werden kann. Fahren Sie mit einem so geflickten Reifen in jedem Fall nur noch langsam und nicht weiter als bis zur nächsten Werkstatt.
Unser Tipp: Teilen Sie dem Reifenmonteur vorher mit, dass Sie eine Reifenpanne hatten und das Pannenset genutzt haben, damit er sich bei der Abmontage des Reifens von der Felge darauf einstellen kann.

Pannenset bestehend aus Dichtmittel und Kompressor

Sind Runflat-Reifen sinnvoll?

Bei dieser Reifenart ist die Flanke durch eine spezielle Konstruktion verstärkt. Wenn das Rad Luft verliert, bleibt die Reifenflanke stabil und kann so schwerere Unfälle verhindern. Fahrzeuge mit Runflat-Reifen benötigen auf alle Fälle ein Reifendruckkontrollsystem, da bei der Fahrt sonst eventuell gar nicht auffällt, dass der Reifen schadhaft ist. Das RDKS gibt diese Rückmeldung. Sie können mit den Runflats noch ca. 80 km bei 80 km/h fahren. Wir empfehlen hier immer den direkten Weg in die nächste Werkstatt. Mit dem Runflat-Reifen sind Sie also noch etwas mobiler, bedenken Sie aber, dass der Reifen ca. 40% mehr wiegt, was zu einem höheren Kraftstoffverbrauch führt. Außerdem ist dieser Reifentyp teurer und der Fahrkomfort ist schlechter, da die steifen Reifen weniger federn. Dazu kommt, dass diese Bereifung nicht in jeder Werkstatt montiert werden kann.

7 häufige Gründe für platte Reifen

  1. Nagel oder Schraube eingefahren. Das ist die wohl häufigste Ursache für eine Reifenpanne. Neben Nägeln oder Schrauben können auch andere spitze Gegenstände wie scharfkantige Metallstücke oder Glas auf der Straße liegen. Deswegen sollten Sie vorausschauend fahren.
  2. Kaputte oder fehlerhafte Ventile. Ventile können bei Verletzungen korrodieren oder verschmutzt sein – hier tritt dann Luft aus. Das kann ein schleichender Prozess sein, kann aber unter Umständen auch sehr schnell gehen.
  3. Korrosion der Felge. Wenn Ihre Felge aufgeschrammt ist, kann es sein, dass sie beginnt zu korrodieren. In der Nähe des Felgenhorns kann das zu Luftverlust führen, weil der Übergang von Felge zu Gummi dann nicht mehr komplett dicht ist. Resultat ist häufig ein platter Reifen.
  4. Verletzungen der Reifenflanke oder der Wulst. Poröses Gummi, ein kleiner Riss oder Abrieb beim Einparken an der Bordsteinkante kann langfristig für einen Luftverlust oder sogar zum Reifenplatzer führen.
  5. Unpassender Luftdruck. Sowohl zu hoher, als auch zu niedriger Luftdruck führt zu einer untypischen Belastung des Gummis und es kann zu Schäden und starker Hitzeentwicklung kommen. Im schlimmsten Fall löst sich die Lauffläche von der Karkasse oder der Reifen platzt während der Fahrt. Das ist für Sie und andere Verkehrsteilnehmer ein großes Risiko.
  6. Vandalismus. In schlimmen Fällen wurden schon Reifen aufgestochen, häufiger lassen die Vandalen aber auch nur die Luft über das Ventil ab. Bei letzterem Fall kann der platte Reifen Einfach wieder mit Luft befüllt werden, Sie sollten aber auf alle Fälle kontrollieren, ob das Rad keine anderen Schäden aufweist.
  7. Schäden der Fahrbahn. Wenn Sie ein Schlagloch übersehen kann es schnell passieren, dass der Reifen Schaden nimmt und Luft entweicht.

Platte Reifen vermeiden – 3 einfache Tipps

Manchmal hat man einfach Pech – häufig können gefährliche Situationen aber auch vermieden werden. Hier zeigen wir Ihnen wie:

  • Fahren Sie nicht durch Laubhaufen am Straßenrand oder Müll auf der Fahrbahn. Sie wissen nie, was sich darunter verbirgt und vermeiden so, sich etwas einzufahren. Mit vorausschauendem Fahren können Sie auch vermeiden, versehentlich in ein Schlagloch zu fahren.
  • Prüfen Sie regelmäßig (am besten alle 14 Tage) Ihren Reifendruck. Wenn Ihnen auffällt, dass einer der Reifen deutlich schneller Luft verliert als die anderen, empfehlen wir Ihnen eine Auto-Werkstatt aufzusuchen. Der Kfz-Experte kann dann herausfinden, woher der Luftverlust kommt.
  • Kontrollieren Sie beim Prüfen des Reifendrucks auch Ihre Ventile. Können Sie Macken oder Korrosion erkennen? Dann kann ein Wechsel Sinn machen. Das gleiche gilt für das Gummi an sich. Schauen Sie sich kurz alle 4 Räder an – gibt es poröse Stellen, kleine Beulen oder Risse? Dann sollten Sie eine Kfz-Werkstatt kontaktieren.

Schützt mich das RDKS vor einem platten Reifen?

RDKS bedeutet ausgeschrieben Reifendruckkontrollsystem – das ist eine elektronische Kontrollinstanz die bei abfallendem Reifendruck warnt. Das heißt, das RDKS schützt Sie bedingt. Es kann den schleichenden Luftverlust erkennen, wenn Sie beispielsweise eine Verletzung am Ventil. In diesem Fall können Sie vorzeitig reagieren und das Bauteil zeitnah austauschen lassen.
Bei einem
schnellen Luftverlust ist das Missgeschick aber leider schon geschehen. Der Nagel ist schon eingefahren oder der Riss in der Reifenflanke durch das Schlagloch schon geschehen. Hier warnt das RDKS zwar, aber je nach Verletzung verliert der Reifen so schnell an Luft, dass eine Weiterfahrt eventuell nicht mehr möglich ist.

Dennoch warnt das RDKS frühszeitig, sodass Sie direkt in eine Haltebucht fahren können und den Schaden besehen. Bei Nichtbemerken des Druckabfalls könnten Sie sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer gefährden.

Zahlt die Versicherung bei einer Reifenpanne?

Egal ob Teil- oder Vollkasko, ein platter Reifen wird nicht von der Versicherung abgedeckt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann eine zusätzliche Reifenversicherung abschließen, das lohnt sich aber häufig nur bei eher teuren Reifen. Prüfen Sie vorab auch, was diese Versicherung alles beinhaltet – häufig werden nämlich ausschließlich die Reifen ersetzt. Wenn Sie einmal in die Situation kommen, dass Sie den Pannendienst rufen müssen, ist es angenehm wenn Sie einen Schutzbrief über die Kfz-Versicherung oder bei einem Automobilclub haben. Dieser gewährt Ihnen Hilfestellung bei Unfällen, Pannen oder ähnlichen Vorfällen und sorgt für einen anschließenden reibungslosen Ablauf.

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Quellen

ADAC (2018): So beheben Sie eine Reifenpanne. URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/unfall-schaden-panne/panne/reifenpanne/ – zuletzt geprüft 17.05.2020.

AutoBild (2019): Was tun bei einem Platten? URL: https://www.autobild.de/artikel/platter-reifen-42813.html – zuletzt geprüft 17.05.2020.

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