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Abrollgeräusch von Reifen

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Abrollgeräusch von Reifen – das macht den Unterschied

Lesedauer: 15 min • Veröffentlicht am 06.05.2021

Je leiser die Fahrzeuge selbst werden, desto mehr fällt das Abrollgeräusch ins Gewicht. Deswegen ist diese Kenngröße in den letzten Jahren auch immer stärker in den Fokus gerückt – seit 2012 ist sie sogar eine von drei Kriterien auf dem EU-Reifenlabel. Wir haben alle wichtigen Infos für Sie zusammengetragen. Finden Sie heraus, warum Ihre Reifen mit der Zeit lauter werden und was leise Reifen wirklich ausmacht.

Wie das Abrollgeräusch bei Reifen entsteht

Verschiedene Elemente erzeugen Geräusche, die dann insgesamt das Abrollgeräusch der Reifen ergeben.

  • Airpumping: Wenn das Reifenprofil auf die Straße trifft, wird es zusammengedrückt. Durch die Profilrillen wird dann Luft gepresst und wieder angesaugt, wenn der Profilbereich wieder Kontakt verliert – ein bisschen wie bei einer Luftpumpe, die Luft ausstößt und ansaugt. Dabei entstehen Geräusche.
  • Aufschlageffekt: Hier geht es um das Geräusch der Lauffläche, wenn Sie auf den Asphalt aufschlägt.
  • Gleitvorgänge: Beim Abrollen wird die eigentlich gekrümmte Lauffläche auf der Straße platt gedrückt. Dadurch gibt es kleine Rutschbewegungen der Profilblöcke auf dem Straßenbelag, die ein Rollgeräusch der Reifen erzeugen.
  • Stollenschwingungen: Durch die oben genannten Effekte geraten die Profilblöcke und damit auch die ganze Karkasse in Schwingung. All diese Geräusche werden so auch an die Luft im Inneren des Reifens weitergegeben, dort zusätzlich reflektiert und so verstärkt.

So sorgen Sie für leisere Reifen

Ihre Bereifung an sich können Sie natürlich (außer mit Neukauf) nicht verändern. Aber Sie können etwas tun um unnötig laute Abrollgeräusche der Reifen zu vermeiden.

Der richtige Luftdruck

Wenn Sie mit zu niedrigem, aber auch mit zu hohem Luftdruck fahren, verändert sich die Auflagefläche auf der Straße und damit auch die Geräuschentwicklung. Zusätzlich ist der richtige Reifendruck immer auch ein Kriterium für Ihre Sicherheit und die längere Haltbarkeit der Bereifung. Den passenden Reifendruck für Ihr Fahrzeug finden Sie in der Regel im Tankdeckel, in der Tür, im Handschuhfach oder in der Bedienungsanleitung des Wagens. Je korrekter der Luftdruck, desto besser der Straßenkontakt und damit desto leiser der Reifen.

Prüfen Sie den Druck am besten alle 14 Tage und vor größeren Fahrten und passen Sie ihn bei Bedarf an.

Reifen regelmäßig umstecken

Die Reifen auf der Vorder- und Hinterachse können sich unterschiedlich stark abnutzen. Die Profildifferenz sorgt dann für einen lauteren Reifen-Ton und auch für ein unruhigeres Fahrverhalten.

Wir raten Ihnen die Reifen-Position ca. alle 8.000 km, spätestens aber beim saisonalen Wechsel zu tauschen.

Wenn Sie Ihren Reifenwechsel selbst vornehmen, markieren Sie die Position der Pneus – so können Sie die Reifen beim nächsten Tausch an eine andere Stelle stecken. Achten Sie dabei darauf, ob Sie asymmetrische oder laufrichtungsgebundene Bereifung montiert haben – bei der laufrichtungsgebundenen Variante können Sie vorne mit hinten tauschen, während bei den asymmetrischen Reifen auch ein Seitentausch möglich ist. Besprechen Sie das mit Ihren Kfz-Experten, wenn Sie sich unsicher sind.

Fahrverhalten

Ihr eigenes Fahrverhalten hat auch einen Einfluss auf die Reifengeräusche.

Ganz klar: je höher die Geschwindigkeit, desto lauter das Geräusch der Reifen.

Fahren Sie deshalb mit angemessener Geschwindigkeit und vermeiden Sie besonders schnelles Anfahren oder abruptes Abbremsen – so sind Sie auf leisen Reifen unterwegs.

Regelmäßige Werkstattbesuche

Fahrgeräusche die vermeintlich von den Reifen kommen, können auch andere Auslöser haben. Lassen Sie deswegen am besten regelmäßig Komponenten wie Radlager, Stoßdämpfer, Radaufhängung oder die korrekte Spureinstellung sowie Auswuchtung der Reifen überprüfen. So können sich anbahnende Schäden frühzeitig entdeckt werden und Sie sparen sich die teuren Folgekosten eines kaputten Bauteils. Und ganz nebenbei wird auch das Abrollgeräusch Ihrer Reifen wieder leiser.

Reifen auf der Wuchtmaschine

Bei einem lauteren Reifen kann das Nachwuchten helfen.

Den richtigen Reifen kaufen

Achten Sie beim Neureifenkauf auf den Profilaufbau. V-förmige Profile sind normalerweise etwas lauter, genauso wie die modernen Breitreifen. Die Reifen sollten aber immer der richtigen Größe für Ihr Fahrzeug entsprechen. Ein weiterer Tipp ist auf den passenden Tragfähigkeitsindex zu achten. Ein höherer Index ist rein rechtlich zwar zulässig, aber der Reifen wird in der Tendenz auch schwerer, was die Schwingungen verstärken kann.

Andere Einflüsse auf die Reifenlautstärke

Neben den Pneus an sich macht auch das Fahrzeug und die Fahrbahnbeschaffenheit einen Unterschied für das Abrollgeräusch von Reifen. Straßenunebenheiten, rauer Asphalt oder Schlaglöcher erzeugen zusätzliche Geräusche. Je glatter die Straße ist, desto geringer fällt das Abrollgeräusch der Reifen aus. Regen verstärkt die Lautstärke noch.

Man unterscheidet übrigens zwischen internem und externem Abrollgeräusch – also das was Sie im Inneren des Fahrzeuges wahrnehmen und das, was außen bei der Fahrt zum Beispiel vom nächsten Fußgänger zu hören ist. Die interne Lautstärke hängt zusätzlich von der Geräuschisolierung Ihres Wagens ab.

Wie laut darf ein Reifen sein?

Die europäische Union hat Grenzwerte dafür festgelegt wie laut ein Reifen sein darf. Dabei geht es um das externe Abrollgeräusch der Reifen – also das, was man außerhalb des Fahrzeuges wahrnehmen kann. Aber es gibt keinen Grenzwert, der für alle Reifen gilt. Das ist immer abhängig von der Querschnittsbreite. Das ist die erste Zahl der Dimension: z.B. 205/55 R16. Ein normaler PKW-Reifen mit dieser Größe darf maximal 75 dB laut sein. 75 dB entspricht zum Beispiel einer Waschmaschine beim Schleudern oder einem eingeschalteten Staubsauger. Wie laut Ihr Reifen ist, können Sie dem EU-Reifenlabel entnehmen.

Externes Abrollgeräusch auf dem EU-Reifenlabel

Neben dem Kraftstoffverbrauch und der Nasshaftung zeigt das EU-Reifenlabel auch das externe Abrollgeräusch. Das ist die Lautstärke der Reifen außerhalb des Fahrzeuges bei rund 80 km/h. Sie finden einmal die absolute Dezibel-Angabe (dB), sowie ein Lautsprecher-Symbol mit einer, zwei oder drei ausgefüllten Schallwellen.

  • Drei Schallwellen bedeuten, dass der Reifen dem von der EU 2016 festgelegten Grenzwert entspricht.
  • Zwei Schallwellen sagen aus, dass der aktuell geltende Grenzwert um bis zu 3 dB unterschritten wird.
  • Eine Schallwelle bescheinigt dem Reifen eine Unterschreitung des aktuellen Grenzwertes um mehr als 3 dB.
EU-Reifenlabel Abrollgeräusch Reifen

Mit der Aktualisierung des Reifenlabels im Mai 2021 werden die Schallwellen von einer „A,B,C“-Unterteilung abgelöst. Danach können Sie auf dem Markt noch eine Weile beide Varianten finden, sie sind aber gleich aussagekräftig.

Gibt es Reifen, die besser klingen als andere?

Klingen 72 dB immer gleich? Die Antwort ist: nein. Die Lautstärke des Geräusches ist zwar gleich, aber Sie werden kaum zwei unterschiedliche Reifenprofile finden, die gleich klingen. Schon leicht verschiedene Abstände zwischen den Profilblöcken können dafür sorgen, dass ein Reifen viel angenehmer klingt als ein anderer, der aber eigentlich genau so laut ist. Deswegen sind an der Reifenkonzeption in der Regel Akustiker beteiligt, die sich mit dem Sounddesign des Profils auseinandersetzen. Wie Sie das Abrollgeräusch der Reifen wahrnehmen ist letztendlich aber immer auch subjektiv.

Warum werden Reifen mit der Zeit lauter?

Wenn das Abrollgeräusch der Reifen mit der Zeit zunehmend lauter wird, am Fahrwerk aber noch alles intakt ist, kann ein spezielles Verschleißbild dafür verantwortlich sein: der Sägezahn. Sägezahnbildung am Reifen funktioniert so: Der Profilblock trifft beim Abrollen auf die Straße und wird gestaucht. Wenn sich der Reifen weiter dreht, wird das Gummi nach hinten wieder entlastet. Dabei hat vor allem die hintere Blockkante einen hohen Schlupf und löst sich sprungartig. So wird mehr Material an der rauen Straße abgetragen. Das können Sie sich vorstellen, wie bei einem Radierer, der ungleichmäßig über das Papier bewegt wird. Dass Ihr Reifen sich mit der Zeit abnutzt und dass das nicht komplett gleichmäßig passiert ist leider unvermeidlich. Aber es gibt Strategien, was Sie gegen die Sägezahnbildung unternehmen können:

  • Der korrekte Luftdruck ist das A und O – prüfen Sie ihn regelmäßig (am besten alle 14 Tage und vor größeren Fahrten). Ein zu leerer oder zu voller Reifen nutzt sich schneller und ungleichmäßiger ab.
  • Fahren Sie gemäßigt. Je schneller Sie unterwegs sind, desto größer ist der Schlupf und somit auch der Verschleiß an der hinteren Kante des Profilblocks.
  • Wechseln Sie regelmäßig die Position der Räder. Ein Tausch ist ca. Alle 8.000 km sinnvoll. Markieren Sie sich dafür am besten auch beim saisonalen Reifenwechsel die Positionen an denen die Reifen gesteckt haben.
  • Wenn der Sägezahn schon zu weit fortgeschritten ist, können Sie den Reifen bei einem Fachmann des Vulkaniseur- und Reifenhandwerks egalisieren lassen. Das bedeutet, dass die gesamten Profilblöcke auf eine einheitliche Höhe abgeschliffen werden. Beachten Sie aber, dass der Reifen so auch an Laufleistung verliert, weil das Profil geringer wird. Bei 3 mm für Sommer- und 4 mm für Winterreifen sollten Sie wechseln.

Leise Reifen mit spezieller Technologie

Immer mehr Reifenhersteller entwickeln spezielle Technologien für leisere Reifen. Der deutsche Premiumhersteller Continental hat die ContiSilent-Technik entwickelt, Pirelli geht mit PNCS (Pirelli Noise Cancelling System) an den Markt, das Äquivalent von Michelin ist die Acoustic Technology. Die Basisidee ist bei allen Varianten ähnlich: weniger Lärm durch Geräuschabsorption. Das funktioniert über eine schaumartige Materialeinlage, die als zusätzliche Schicht im Inneren der Lauffläche angebracht wird. Sie sorgt dafür, dass die Hohlraumgeräusche im Inneren des Reifens gedämpft und die Schwingungen nicht so stark an die Karosserie abgegeben werden. Das Fahrgeräusch, dass Sie im Inneren des Wagens wahrnehmen wird damit leiser.

Laute Reifen können ein Warnsignal sein

Wenn Sie feststellen, dass Ihr Reifen lauter ist als sonst, kann das auf verschiedene Dinge hindeuten:

  • Falscher Luftdruck
  • Beginnender Sägezahn
  • Schlecht eingestellte Spur
  • Reifen mit Unwucht
  • Beginnende Schäden am Fahrwerk
  • Steine im Profil oder ein eingefahrener Nagel äußern sich durch vor allem durch Klackern
  • Nicht richtig fest gezogene Radschrauben verursachen ein brummendes Geräusch

Wenn Sie feststellen, dass Ihre Reifen lauter werden und Sie den Grund dafür nicht ausmachen können, sollten Sie auf jeden Fall eine Werkstatt aufsuchen und den Sachverhalt prüfen lassen.

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Quellen

ADAC (2019): Sägezahnbildung bei Reifen. URL: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/saegezahn/ – zuletzt geprüft 12.01.2021.

Amtsblatt der Europäischen Union (2016): Regelung Nr. 117 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) — Einheitliche Bedingungen für die Genehmigung der Reifen hinsichtlich der Rollgeräuschemissionen und der Haftung auf nassen Oberflächen und/oder des Rollwiderstandes. URL: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:42016X0812(01)&from=EN – zuletzt geprüft 08.01.2021.

BRV und wdk (o.J.): Das Reifenlabel. Externes Rollgeräusch. URL: https://dasreifenlabel.de/reifenlabel/#bewertungsklassen – zuletzt geprüft 10.05.2021.

Deutscher Verkehrssicherheitsrat (o.J.): Umweltfaktor Lärm: 72 Dezibel-Reifen klingen doch immer gleich, oder? URL: https://reifenqualitaet.de/umwelt/geraeusche/ – zuletzt geprüft 12.01.2021.

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